Schweden 2016: Einmal rauf, einmal runter

So, Freunde des spontanen Reisen’s – jetzt will ich doch über meinen spontanen Roadtrip durch Schweden berichten. Die Idee war: Fähre ab Rügen, Trelleborg bis Abisko und von dort wieder zurück. Der Plan wurde dann leicht geändert, von Abisko ging es rüber nach Norwegen und dann die E6 wieder runter um bei Oslo nach Schweden zu schwenken

Norwegen und Schweden mit dem Wohnmobil

Um gleich einige Dinge vorher ins Gedächtnis zu rufen, weil eventuell jemand ähnliches in der Planung hat:

  • Kreditkarte in Schweden und Norwegen ist Pflicht! Fast jede Tankstelle ist bardgeldlos, wer mit Cash zahlen will muss das (sofern vorhanden) an der Zapfsäule auswählen.
  • Wagenheber dabei? Warnwesten dabei? Jaja, das habe ich gerade live aus der Praxis gelernt…was man nie braucht, wird dann gebraucht wenn es tatsächlich zum Einsatz kommen soll.
  • Langsames Wohnmobil und Norwegen? Viel Spaß! Die LKW fahren auch am Berg ihre 90 km/h, wer mit ähnlich brachialer Power wie ich mit dem Fordi unterwegs ist, sollte cool bleiben oder die größeren Straßen meiden. LKW- wie auch Autofahrer sind in Norwegen spürbar gestresster und aggressiver unterwegs als in Schweden. Das ist zumindest meine Erfahrung.
  • Ein „Hallo“, „Danke“ oder „Tschüss“ in der Landessprache gibt beim Kontakt fast immer ein Lächeln zurück :)

Doch der Reihe nach. Gestartet wurde in Sassnitz auf der Insel Rügen mit dem Fährschiff der Stena Line, der FS Sassnitz. Wohnmobile parken dort unten auf Deck 3. Einige der Fahrstühle fahren aber nur ein Deck höher, wer also genauso verwirrt wie ich dabei war, sollte das vorher abchecken. Während der Fahrt ist ein Zugang zum Wohnmobil NICHT möglich, die Türen verschlossen.

Auf Rügen nahe dem Königsstuhl beim Norbert auf dem Platz:

Auf der Hinfahrt war die Ostsee spiegelglatt bei mega Sonnenschein, die Ankunft in Trelleborg war etwas nach 18 Uhr und so bin ich runter von der Fähre, raus aus der Stadt. Die Suche nach einem Platz zum Übernachten war dann gar nicht so einfach. Campingplätze sind mittels Mangel an Budget rausgefallen und im Süden von Schweden machen sich auch die Wälder noch rar. Meine erste Übernachtung in Schweden war dann auf dem Rastplatz Varberg Nord, bisschen laut durch die LKW aber ok.

Angekommen in Schweden, der Norden ruft!

Der typische Charme von Schweden lässt im tiefen Süden noch etwas auf sich warten. Trist, trostlos, nichts mit Wald und rot-/weißen Häusern. Das änderte sich mit jedem weiteren Kilometer in den Norden. Also die E6 solange mitnehmen wie es nun eben muss, um danach bei Udevalla die E44 in Richtung des Vänern Sees zu nehmen. Landschaftlich gesehen ist das schon ein ganz anderes Schweden als noch im Süden. Es ging durch Mellerud (Heimat der Schimmelvernichter ) in Richtung Mora („Light my Fire“ Messer aus Schwedenstahl).

Auf Höhe von Östersund folgte ein Abstecher in den Osten, entlang dem Indalsälven, einem beeindrucken „Fluss-See“. Ziel: Ragunda. Noch nie gehört? Macht nichts! Bin ich auch nur durch die sehr gelungene, schwedische Serie Jordskott darauf gekommen. Diese wurde unter anderem in dem Örtchen gedreht, was mir als Grund schon reichte. In Ragunda gibt es einen beeindruckenden Hausberg:

Später habe ich noch festgestellt dass es in Ragunda einen Thai-Pavillon gibt. Später eben, von daher: thaipaviljongen.com – Besichtigung wird nachgeholt Da die Nacht schon längst da war, habe ich irgendwo an einem Wald übernachtet. Nur ich und die Mücken. Und die Hunde. Und der rauschende Fluss. Ein Traum!

Am nächsten Tag ging es zurück auf die E45 nach Norden und hier kommt ein wirklich, wirklich schönes Fleckchen von Schweden. Hat sicherlich ebenso fast noch keiner gehört, gemeint ist „Hammerdal“. Was es dort gibt? Sehr viel Natur, Wald und Seen.

Traumhaft. Auch wenn sich Hammerdal nicht mal eine richtige Webseite leisten kann, in punkto Natur wird richtig viel geboten.

Deutlich mehr los ist dann schon in Strömsund. Authentisch getankt wurde bei „Ingo Strömsund“. Schön wenn einem neben einer Tankstelle gleich noch der Ort gehört. Mit rund 4000 Einwohnern bietet Strömsund schon etwas mehr, als die Dörfer im Umkreis. Werkstätten, Shopping und natürlich zahlreiche Souvenirläden machen diese Kleinstadt im Norden Jämtlands vor allem für Familien interessant.

Lappland, na endlich!

Schweden gefällt mir mit jedem Kilometer nordwärts besser. Für den einen mag der Mix aus Wald-See-Wald-See langweilig erscheinen, mir hat es ausgezeichnet gefallen. Die Straßen werden immer leerer, hin und wieder tritt eine Truppe Rentiere oder sogar ein relaxter Elch auf die Straße. Beeindruckend, vor allem die gewaltigen Elche.

Wer Lappland besucht, sollte einen Abstecher in die Gemeinde Dorotea einplanen.

In der schwedischen Provinz Västerbottens län und der historischen Provinz Lappland, bietet auch dieser Ort mit seinen etwas über 2000 Einwohnern für Touristen ein recht vielseitiges Programm zur Bespaßung, unter andere: ein Jagd- und Anglermuseum, das Polar-Museum (Wohnwagen, die in Dorotea gefertigt werden), das Kullerbacken Hembygdsområde Kulturgebäude und für Kirchengänger die Kirche mit einer lebensgroßen Abendmahl-Gruppe. Wem das zu trocken erscheint, kann sich ein Kanu mieten und zur Biber-Entdeckungstour starten, oder an einer Bären-Safari teilnehmen.

Um jetzt nicht jeden kleinsten Ort unterwegs zu erwähnen, springe ich weiter auf der E45 vorbei an Moskosel hinein in den Lullejaure See. Landschaftlich sehr schön, fährt man auf der Europastraße direkt durch den See hindurch. Im übertragenen Sinne natürlich. Ich war zu Mitternacht an dem See, die Sonne war kurz vor Mittsommer noch am scheinen und so gab es dieses Panorama:

Hallo Polarkreis: God dag Jokkmokk!

Für die Distanz Moskosel/Jokkmokk habe ich rund zwei Stunden benötigt. Die Fahrt dahin war eher ereignislos, eigentlich war mein Ziel nur bisschen Kitsch aus dem bekannten Café noch vor Jokkmokk. War ja klar, dass wenn ich dort ankomme sämtliche Stühle hochgestellt wurden. Kurz: das Café war geschlossen, wieso und warum war mir nicht ersichtlich. Mein Zertifikat wurde also nichts und so trostlos wie es um das Café herum ausgesehen hat, ging das sicherlich anderen Reisenden genauso. Falls wer etwas weiß…schreibt es in die Kommentare.

Also noch flott im Supermarkt von Jokkmokk Bacon für mich und Knabbereien für die Hunde gekauft und tschüss. Ja, etwas frustriert war ich schon. Aber es gibt schlimmeres als eine fehlende Unterschrift mit Stempel Also weiter gen Norden in Richtung des Akkajaure Stausee. Der ist wahrscheinlich vor allem wegen seinem Staudamm bei Suorva bekannt. Die Natur ist hier grandios-spektakulär, der Mensch nur noch eine ganz kleine Nummer.

So langsam nähere ich mich dem oberen Ende von Schweden: Kiruna.

Die Stadt hat den Charme einer lieblosen Industriemetropole. Auch wenn ich dort nur gut einer Stunde verbracht habe, der Himmel grau und die Außentemperatur längst im knackigen Bereich war – ich war froh diese Stadt mit immerhin gut 20.000 Einwohnern hinter mir zu lassen. Was auch visuell ein ziemlich harter Kontrast war. Paar Minuten weiter und Einkaufszentren sind nur noch eine Erinnerung. Alles was nach Kiruna kommt ist wieder das schroffe, irgendwie lebensfeindliche Schweden. Die Vegetation hat einiges aufzubieten, selbst die Birken haben es soweit oben schwer. Immerhin verbaut nichts die Aussicht und das Panorama ist ein wahrer Augenschmeichler:

Felsig, kalt, windig, menschenleer. Also einfach nur ziemlich genial!

Die Grenze ist nah, ebenso Abisko (in der Linkskurve schon erkennbar).

In Abisko gibt es bis auf die Natur weniger zu bestaunen. Eine Zapfsäule, die mich auch bei der Kälte schwitzen lassen hat – den polnischen Arbeitern im T4 Bus erging es nicht anders – und dazu eiskaltes Gebirgswasser (siehe Fotos oben). Leider nicht fotografiert habe ich das „Lapporten“ (samisch Čuonjávággi). Das ist ein halbkreisförmiges Trogtal, eine imposante Formation im Fels ähnlich einer Sichel oder einem Portal (klick mich). Von Abisko habe ich die Reichsgrenze („Riksgränsen“) nach Norwegen dann in einem Rutsch mitgenommen. Die Grenze war unbesetzt, keiner da der irgendwie Interesse hatte irgendwas zu kontrollieren.

So, das war’s. Einmal Schweden von Süd nach Nord durchquert. Sicherlich nicht in der Zeit, die ich mir gern genommen hätte (Job…), aber meine erste Begegnung mit dem Land hat mich definitiv angefixt. Schweden sieht mich auf jeden Fall wieder. Das muss wohl dieser Schwedenvirus sein, man ist irgendwie sehr angetan von diesem Land und das passiert mir selbst jetzt nicht allzu oft. Also dann, danke für das Lesen meines kleinen Artikels und Peace an alle

Euer Markus

Markus

Blogger, Naturfreund und einfach gern draußen - der ewige Widerspruch "Büro kontra Freiheit", das ist Markus ✿ シ

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