Tschüss Fordi und warum Wohnmobil kaufen nervt!

Es ging dann doch ziemlich schnell, der alte Fordi wurde verkauft, die Suche nach einem Nachfolger aktiv begonnen. Doch der Reihe nach. Ich hatte meinen Fordi im April 2018 beim TÜV, den er auch mit einem neuen Lenkgetriebe im zweiten Anlauf (und knapp 1000 Euro an Kosten) bestanden hat. Zwei Wochen später sollte es dann auf Tour gehen, wenn der Wasserschaden nicht gekommen wäre…

Fachmann + Murks = Wasser im Innenraum

Tja also, wie kam’s denn nun dazu. Wasser im Innenraum ist nix neues gewesen (klick mich), doch hat mich der Schaden doch überrascht. Vor allem weil er absolut hätte vermieden werden können. Kurz nach dem TÜV hatte es sehr stark geregnet, mehrere Tage ging das so, während der Fordi auf dem Parkplatz stand. Wo es dann endlich aufgehört hatte, wollte ich alles einräumen und da war er: muffiger Geruch. Super! Also erstmal durch jede Ecke geschnüffelt und schließlich im Alkoven rechts vorn den Ursprung erschnüffelt:

Matratze raus und schon wurde der Wasserschaden sichtbar.

Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, dass es schon überschaubar sein wird. Eben weil vorn rechts vom Händler damals schon ausgebessert wurde. Ein Fachhändler nebenbei, der auch mit neuen Wohnmobilen/Wohnwagen handelt. Okay also weiter freigelegt:

Lässt sich jetzt schwer ertasten durch’s Web, aber man konnte den Finger bis auf das Bodenblech des Alkoven drücken…

Ab hier war klar, dass es nicht so überschaubar sein wird. Also erstmal weiter geschaut, was noch kommen möge. Erfreulicher wurde es jedenfalls nicht, alles feucht, nass, schwarz und das 100% nicht erst seit den letzten Tagen:

Bis zur Hälfte des Alkoven habe ich das Blech freigelegt und selbst dort war es immer noch schwarz. Inzwischen kam die Erkenntnis: da ist bei jedem Tropfen von oben Wasser eingedrungen. Und warum? Wo? Und warum überhaupt…da wurde ja vom Fachmann repariert und so.

Es ist mir unklar, wie sich das so dermaßen beschissen instand setzen ließ. Ich meine…Profi und so? Neue Karren verkaufen ist wohl eher das Ding von denen gewesen. Wäre hier anständig gearbeitet worden, wäre der Alkoven nicht abgesoffen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Ein zu 99% ziemliches Sicher!

Was tun mit dem Wasserschaden – Reparieren oder frustrieren?

Ich war natürlich frustriert, aber so richtig. Gerade einen Tausender in den TÜV investiert und dann das! Ein Mangel der nicht hätte sein müssen, da war er nun. Danach habe ich den Fordi erstmal in sein Winterquartier gebracht, um in Ruhe zu überlegen. Das hat doch ein paar Monate gedauert bis ich die Entscheidung getroffen habe: verkaufen. Mieses Gefühl, ich bin sentimental, auch wenn es „nur“ ein Fahrzeug ist. Immerhin hat es mich langsam – aber problemlos – mehrfach an die Ostsee, durch ganz Schweden und Norwegen gebracht.

So ein paar Punkte sprachen aber dennoch für den Verkauf:

  1. Der Alkoven muss an der rechten Seite und dem Boden komplett entkernt werden.
  2. Die Alkovenscheibe war auch nicht mehr wirklich dicht.
  3. Es fehlte eine zusätzliche Liege (meine zwei Hunde sind ja fast immer mit dabei).
  4. Airbags waren ebenso Fehlanzeige wie ABS.
  5. Lohnte es sich damit überhaupt, noch gut 1200 Euro in eine Solaranlage zu investieren?

Vor allem der letzte Punkt war entscheidend. Mit dem Rest wäre ich schon irgendwie klargekommen. Also gar nicht mehr lange überlegt, sondern inseriert. Verkauft wurde mein Fordi dann nach Berlin an ein sehr nettes Pärchen. Ohne Täuschen, verarschen und wie es eben sonst so üblich ist beim Verkauf. Das kann nicht jeder. Traurig war ich, doch ziemlich traurig. Verfluchte Sentimentalität eben.

Verkauf, Suche, Besichtigung

Da war er nun weg der Fordi, mieses Feeling. Einige Wochen später habe ich angefangen den Markt zu checken. Es sollte wieder ein Fordi werden! Nicht nur weil mir das so einfach über die Lippen geht, ich mag die einfache Technik. Von Seiten des Motors muss man sich hier eigentlich bei keinem Antrieb Gedanken machen, die Dinger halten (gegenüber Fiat/Peugeot/Citroen).

Mit dem Check bei mobile.de kam auch schnell Ernüchterung, denn der Markt entwickelt sich selbst für Schrott krass nach oben.

Alle wollen auf einmal Wohnmobil fahren. Gut für Verkäufer, die nicht immer realistische Preise für teils schon ziemlich verlebte Exemplare aufrufen.

Nach einigen Wochen den Markt checken, entwickelte sich nach und nach ein Gefühl, welches Fahrzeug überhaupt die Fahrt zur Besichtigung lohnt. Viele waren es nicht. Drei Fahrzeuge haben wir uns also angeschaut:

  1. Nummer 1:
    Fertig nach einer Minute. Loch im Längsträger vorn, mit Dichtmasse zugeschmiert, Unterbodenschutz drüber. Zustand laut Inserat „sehr gut“. Der in der Realität verlebte Innenraum und verdächtig aussehende Alkoven machten es nicht besser. Nette Leute, der Tag war trotzdem umsonst.
  2. Nummer 2:
    Richtig geil – nicht! Im Heck unten war das komplette Holz am Fahrzeugboden morsch und frischer Unterbodenschutz drüber gesprüht. Das roch sogar einen Meter entfernt nach Lack. „Keine Ahnung, kenn mich nicht aus, nicht von mir…“ – dreist Lügen klappt nur bis zum verschmitzten Lächeln. Und tschüss!
  3. Nummer 3:
    Das erste interessante Fahrzeug. Sah unten top aus, hatte dank Stockbetten Platz und den größten Motor der Transit-Baureihe (2.5 TD mit 116 PS). Aber preislich trotzdem keine 16.000 Euro wert, auch keine 12.000 Euro. Denn dafür waren im Alkoven oben rechts wieder am Boden Wasserspuren. Schade, weitersuchen.

Ich kann nur jedem raten, sich die älteren Wohnmobile ganz genau anzuschauen! (eigentlich eher so: !!!!!!!!)

Ein paar Dinge, die alle Interessenten misstrauisch machen sollten:

  • Weiche Stellen im Innenraum und am Holzunterboden kommen von Feuchtigkeit. Von welcher Stelle auch immer – hier war oder ist ein Wasserschaden vorhanden. Auch wenn fast jeder Verkäufer sagt, dass die Kiste 125% dicht ist.
  • Eine Alkovenscheibe vorn ist IMMER ein Mangel. Nicht umsonst bietet das kein Hersteller mehr an. Die werden früher oder später alle undicht. Lieber gleich einen Aufbau ohne Scheibe vorn suchen.
  • Unterbodenschutz an tragenden Bauteilen sollte misstrauisch machen. Schraubendreher mitnehmen und zücken. Wird der Verkäufer hier stinkig > tschüss. Ansonsten ruhig abklopfen, bleibt der Schraubendreher stecken…blöde Sache. Schweißarbeiten an tragenden Bauteilen wie Längsträger, Achsträger etc sind bei einem schweren Wohnmobilaufbau immer heikel und teuer und lohnen irgendwann kaum noch. Zumindest wenn man nicht selbst eine Werkstatt hat.
  • Riss in der Frontscheibe? Beim PKW kein Ding, beim Alkoven schon. Die tragende Funktion macht ein Abstützen des Alkoven nötig. Ansonsten drohen durch die Verspannung Risse in den verklebten Seiten. Da kann es beim nächsten Regen feucht-fröhlich werden.
  • Überhaupt die Feuchtigkeit. Muffiger Geruch (wie ein Herbstwald am Morgen), kündigt Arbeiten an. Riecht es stark nach Duftspray, sollte das auch misstrauisch machen.

Besichtigung Nummer 4 war endlich erfolgreich! Der Frust saß schon langsam tief. Neue Angebote im Netz checken kam fast immer gleichzeitig mit Ernüchterung. Zu teuer, zu schrottig. Unsere Nummer 4 kam von einem sehr, sehr netten älteren Ehepaar. Die letzten vier TÜV-Besuche war „Erika“ bei Ihnen. Der Ingenieur aus dem Automobilbereich ließe sich mit einem Wort beschreiben – penibel!

Danke für die schöne Zeit, kleiner Fordi und hoffentlich viel Spaß auf weiteren Reisen!

Mehr zu Fordi Erika gibt es in einem anderen Artikel – bald :-)

Markus

Blogger, Naturfreund und einfach gern draußen - der ewige Widerspruch "Büro kontra Freiheit", das ist Markus ✿ シ

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.